Das darf er nicht

Einfach nur eine kleine Story. Was passieren kann, wenn man die falsche Lady anlangt … 

Der achtzehnte Geburtstag meiner kleinen Cousine, nennen wir sie mal Maria. Hat eine Überraschungsparty bekommen und Überraschung, ich, der große Cousin aus Süditalien, taucht auch nachts um Ein Uhr auf. 

Erst mal ein stück Kuchen, ein zwei Wodka hinterher und danach ein bißchen mit meiner kleinen Cousine reden. Fragen, wie es ihr denn so geht. Alles ok. Gut. Also frage ich sie, wo denn eigentlich Giulia ist. Giulia ist ebenfalls unsere Cousine und genau so alt wie Maria. Eigentlich, waren die zwei ständig zusammen. Und jetzt geht’s los … 

Sie hat einen neuen Freund, Türke. Er verbietet ihr den Kontakt zu ihren Verwandten. Sie ist entweder bei ihm oder zuhause. Bei jeder Kleinigkeit, rastet er aus, schlägt sie Grün und Blau. Ich frag nur, „Wie heißt der Typ?“ 

Nennen wir ihn hier einfach mal Serkhan. Seinen Nachnamen, tipp ich nebenbei auf mein Handy. 

„Woher?“, frag ich noch. 

Und zack weiß ich wo der Penner ungefähr wohnt. Weiß die Stadt und dass er Gegenüber einer Eisdiele wohnt. Meine kleine Cousine Maria, erzählt immer noch, was er für ein Riesen Arschloch ist. Spritzt sich Anabol und so nen Scheiß. 

Als Maria die Beiden mal besucht hatte, ist Giulia die Fernbedingung auf den Boden gefallen. Er packte Giulia, zerrte sie in ein Zimmer und schloss die Türe. Prügelte erst auf sie kurz ein, kam aus dem Zimmer, packte Maria und warf sie aus der Wohnung. Giulia liebt ihn und will ihn nicht verlassen. 

„Ok, genug! Sorry Maria, ich muss los!“

Alle gleich „Nein! Der ruft die Bullen! Der zeigt dich an!“ 

Das bezweifle ich ganz stark … 

Will ja nur mal mit ihm reden. 

Und die sagen mir, das er seine Wohnung im Haus der Eltern hat. 

Meine erster Gedanke, gut, Einfamilienhaus, schränkt die Suche schon mal ein. 

„Der Vater ist so ein Typ mit zwanzig Anwälte! Du kannst da nicht Nachts um zwei klingeln!“.

Ich fick ihn, seine Söhne, seine Frau und seine zwanzig Anwälte! 

Ich steh auf und verabschiede mich höflich, fahr los. 

Eine Stunde später, fahr ich quer durch seine Ortschaft. 

Yes, da ist die Eisdiele und Gegenüber, mehrere Einfamilien-, Mehrfamilien- und Reihenhäuser, super. 

Ich parke in einer Seitenstrasse, steige aus und zünde mir erst mal eine Zigarette an, lauf halt mal los. Schau nochmal auf mein Handy, wie der Vixxer noch mal heißt? 

Erstes Haus, Nein. Zweites, Auch nicht. Das dritte, Mehrfamilienhaus, ich schau halt mal auf die Klingel. 

Volltreffer! Drei verschiedene Vornamen aber alles die gleiche Familie, da steht doch dem Vixxer sein Name, und ich läute. 

Warte zehn Sekunden, nochmal, etwas länger. 

Nichts. 

Nochmal, nichts. 

Gut, nächster Stock, seine Eltern. 

Es geht das Licht im Treppenhaus an und zack, geht die Türe vor mir auf. Gut, bin schonmal im Treppenhaus. 

Mich begrüsst eine Frau Mitte Vierzig im Morgenmantel, fragt was ich wolle. 

„Ihren Sohn sprechen!“

„Es ist halb drei“, sagt sie nur. 

Ich frage nach ihrem Mann, da es respektlos von mir wäre, mit seiner Frau zu diskutieren. 

Zwei Sekunden später steht ein circa zwei Meter, schlecht gelaunter Türkischer Mann im ersten Stock und brüllt, was ich wolle. 

„Komm kurz runter, ich erkläre es dir!“ 

Er kommt und ich weiß schon exakt, wie ich ihn wo dagegen klatsche. Aber ich will ja erstmal reden. Hätte aber auch kein Problem anders zu reagieren, da die mich ja nicht kennen und kaum einer weiß, das ich überhaupt in Deutschland bin. Er bleibt vor mir stehen und meint, „Verlassen sie mein Haus, kommen Sie morgen früh wieder!“

Ich fang mal an, sage ihm, dass es um seinen Sohn geht, um dessen Freundin genauer gesagt. Ich frage ihn, ob er Giulia kennt. 

Er nickt und sagt, „Ja, ein braves Mädchen, sie ist oft bei uns.“ 

Seine Ehefrau, die sich inzwischen auf die Treppe gesetzt hat und uns zuhört, nickt und bestätigt, „Ja, brave Mädchen.“

„Ja, braves Mädchen“, sage ich und fahre fort. 

„Ihr Sohn schlägt sie!“

Ergänze ich sofort. 

„Das darf er nicht!“

direkt danach. 

„Das glaube ich Ihnen nicht, wer sind Sie?“ 

„Ich bin ihr großer Cousin, Giulia, ist meine kleine Cousine. Ich lebe nicht in Deutschland. Ich bin ihretwegen aus Italien gekommen um erstmal mit Ihnen und Ihrem Sohn zu reden.“ 

Die Eltern schütteln den Kopf. Sind schockiert.

„Sind sie sicher?“

Fragt er mich. 

„Meinen sie ich fahre zweitausend Kilometer einfach so?“ 

Frage ich ihn. 

„Hören Sie“, sage ich. 

„Es geht nicht um ihren Sohn für mich, es geht um meine kleine Cousine. Es würde mich sehr freuen, morgen zu erfahren, dass er sich bei ihr Entschuldigt hat, da sich die beiden ja anscheinend lieben. Er soll es nicht mit einer Rose tun, fahren Sie mit ihrem Sohn zum Juwelier, eine schöne Kette, die passenden Ohrringe, keinen Ring!

Erklären Sie ihm davor noch, dass dies seine letzte Chance ist, sich als Mann zu verhalten und erklären Sie es ihm so, dass ich nicht noch einmal hier her fahren muss.“ 

Wir reden noch weitere zehn Minuten in denen mir die Eltern versichern, mit ihm zu reden und entschuldigen sich tausendfach dafür, mir solche Umstände gemacht zu haben. 

Sie wissen ja nicht, dass ich schon seit drei Wochen hier bin, eigentlich gerade wieder zurück nach Deutschland ziehe und von dem ganzen, bis vor einer Stunde, nichts wusste. 

Ich glaube nicht, dass seine Eltern so begeistert waren, dass Nachts um halb drei ein Italiener am Elternhaus klingelt und mal kurz und freundlich sagt, was Sache ist. Auch noch einen Vorschlag macht, um alles wieder in Ordnung zu bringen. Ich glaube, er bekommt erstmal von seinem Vater, so richtig auf’s Maul. Seine Mutter, wird ihm auch noch zwei, drei verpassen wollen. Er, wird wohl lernen, dass wenn man eine Frau schlägt, man sich nie sicher sein kann, was und wer eigentlich dahinter steht. Welcher Familie sie angehört, oder auch nur befreundet ist. Egal, ob sie jetzt Giulia oder Jennifer heißt. Bevor man eine Frau schlägt, sollte man sich fragen, was danach den alles einem selber passieren könnte … Ist ja nicht immer gesagt, dass dir ein höflicher Italiener nachts um halb drei erklärt, „Das darfst du nicht! Mach das lieber nicht noch einmal …“  

Am Haus deiner Familie klingelt … Alleine … 

Ich glaube, die werden sich jetzt einige seltsame, nicht schöne Gedanken machen. Klischees anzweifeln. Er wird sie auf Händen tragen und seine Eltern, wenn sie auch schon vorher zu ihr höflich waren, werden jetzt, noch höflicher sein. 

Ich hoffe tief in mir, sie trägt morgen keinen Schmuck … 

Ich muss nicht in Deutschland bleiben, ich kann morgen schon los … Italiener, 100% … Immer höflich bleiben, bin ich aber nicht so der Typ … Sein Glück, dass er anscheinend nicht zuhause war. Vielleicht hätte ich ja dann, einfach nur abgedrückt, ohne Buona Sera und erklären … 

Buona Notte, per sempre … 

Kein Arrivederci. 
Vincenzo Dei Leoni 

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